Assuan Staudamm

File 278Der Staudamm Sadd el-Ali ist Segen und Fluch zugleich. Er ist ein architektonisches Monstrum und ein Wunderwerk der Technik. Er ist Heilbringer und Zerstörer. Er ist ein politisches Machtinstrument und ein mächtiges Politikum. Er ist Bezwinger der Satis. Er ist Nassers Pyramide.
„Kemet“ - schwarzes Land wurde Ägypten einst genannt. Schwarz die Farbe der Fruchtbarkeit. Einmal im Jahr von Juni bis September, als Folge des Monsuns in Äthiopien, stieg das Wasser des Nils um mehrere Meter. Der aus Äthiopien angeschwemmte fruchtbare schwarze Schlamm verbreitete sich auf den Feldern und das Land blieb schwarz. Die Felder konnten nun bestellt werden. Die Menschen lebten Jahrtausende mit dem Fluss, der ihr Überleben sicherte oder der, beim Ausbleiben der Flut, den Tod brachte. Durch die Nilschwemme entstand ein ganz spezifisches ökologisches Gleichgewicht das sich auf Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen auswirkte.
 

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Mit der Industrialisierung werden die Erträge und die Exporte immer wichtiger. Den ersten Staudamm bauen die Engländer 1882. Der Damm ist zu niedrig, um den Nil aufzuhalten und eine regulierte Bewässerung zu ermöglichen. Den nächsten Versuch beginnt Gamal Abdel Nasser erster Präsident nach der britischen Besatzung 1952. Nasser spielt die Großmächte USA und Russland während des kalten Krieges gegeneinander aus, verstaatlicht den Suezkanal und beginnt 1960 mit Hilfe russischer Ingenieure und 30.000 Arbeitern den Assuanstaudamm zu bauen. 1971 wird der Damm fertiggestellt. Er ist fast 4 km lang, am Fuße über 900 m breit, 110 m hoch und staut den Nil auf einer Länge von 500 km zum 5500 km² großen Nassersee auf. Würde der Damm brechen würde eine 2 m hohe Flutwelle auf Kairo treffen. Die positiven und negativen Aspekte des Staudamms wiegen sich auf. Einerseits kann die Bewässerung der umliegenden Felder reguliert werden. Die Trinkwasserversorgung ist gesichert.

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Durch Wasserkraft wird Energie gewonnen, die für die Stromversorgung des ganzen Südens reicht und mittlerweile nach Jordanien und in den Sudan verkauft wird. Andererseits zerstört der Sadd el-Ali das ökologische Gleichgewicht. Durch den Damm wird der mineralhaltige Schlamm, den der blaue Nil aus dem Hochland Äthiopiens anschwemmt, zurückgehalten. Die Böden sind unterversorgt und versalzen. Dadurch müssen die Bauern mehr düngen, wobei natürlich meistens auf billige umweltschädliche Dünger zurückgegriffen wird. Die Versalzung und Entmineralisierung hat sowohl eine starke Erosion im Nildelta, als auch einen starken Rückgang der Fischarten zu Folge. Der kulturelle Schaden ist nie wieder gut zu machen: über 100.000 Menschen mussten umgesiedelt, alte Bauwerke umgesetzt werden. Dies ging vor allem auf Kosten der Nubier. Das Volk wurde zersplittert und vor allem bei Kom Ombo und Assuan angesiedelt. Während die meisten altägyptischen Bauwerke wie zum Beispiel Abu Simbel versetzt wurden oder gar als Bezahlung ausländischer Unterstützung dienten (der Tempel Dendur ging nach New York), so wurden nubische Bauwerke Opfer der Fluten. Die Folgen die der Staudamm bringt waren und werden nicht abzusehen sein. Man kann nur das Beste hoffen.
Eine Besichtigung wird besonders dann interessant, wenn man ein wenig die Hintergründe kennt.