Das Tal der Könige

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Wer sich für ägyptische Geschichte interessiert, für den wird ein Besuch im sagenumwobenen Tal der Könige leicht zum Höhepunkt seiner Ägyptenreise. 1922 mit der Entdeckung des Tutanchamun-Grabes das erste Mal in die Aufmerksamkeit der breiten Weltöffentlichkeit gerückt, ist das Tal der Könige heute eine der obersten Touristenattraktionen Ägyptens und ein Mekka für Ägyptologen, Archäologen und Kunsthistoriker.

File 491Das Tal der Könige befindet sich etwa 500 Kilometer südlich von Kairo, eingebettet zwischen dem Nil und Luxor im Osten und den majestätischen Klippen der Thebanischen Berge im Westen. Diese Lage hatte strategische Bedeutung: zum einen sollten die hier beherbergten Pharaonengräber dem Blick der Normalsterblichen, zum anderen aber auch dem der schon um 1500 vor Christus tätigen Grabräuber entzogen werden. Erfolg hatte das für etwa 500 Jahre, bis politische Wirren das Land ergriffen und das Tal der Könige schließlich – bis zu seiner schrittweisen Wiederentdeckung im 19. und 20. Jahrhundert - in Vergessenheit geriet.

File 506Inzwischen wurde fast jedes der über 60, in unterirdischen Gängen angelegten Gräber zum Opfer wiederholter Plünderungen – doch trotz aller mutwilligen Zerstörung bleibt das Tal der Könige ein Ort unvergleichlicher Pracht. Abgesehen von den architektonischen Meisterleistungen, die die hier angelegten Gräber darstellen, zählen deren bewundernswerte und verblüffend detailreiche Wandmalereien sowie Grabschätze, Sarkophage und Mumien zu den größten Kulturschätzen Ägyptens und des Orients. Die berühmtesten Pharaonen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden, waren Tutanchamun, Ramses II., Thutmosis III. und Sethos I. Nicht alle der Gräber sind jederzeit für Touristen zugänglich, doch das Eintrittsticket erlaubt am Tag der Besichtigung die Auswahl von drei der Grabstätten, die man gerne besuchen möchte. Das Grab des Tutanchamun kann nur mit einem Extraticket besichtigt werden.

Wer sich einmal im Tal der Könige befindet, der kommt zudem um einen Abstecher nach Deir El-Medina nicht herum. Es handelt sich dabei um das Dorf, das einst die Scharen an Handwerkern, Architekten und Hilfskräften beherbergte, die für den Bau des Tals der Könige verantwortlich waren. Heute ist Deir El-Medina eine Fundstätte von unschätzbarem historischen Wert: nicht nur wurden hier die Ruinen unzähliger Wohnstätten entdeckt, sondern auch zahllose schriftliche Zeugnisse aus dem Alltagsleben der Arbeiter, welche diese auf Kalksteinsplittern, die während des Baus der Pharaonengräber abfielen, verfassten. Hühnerraub, Eifersüchteleien, Streikstimmungen – sie alle wurden von den Einwohnern des Dorfes dokumentiert und bilden heute amüsant-informative Zeugnisse der Zeitgeschichte. Neben den Hausgrundmauern der Siedlungen können in Deir El-Medina auch ein kleiner Tempel und der Friedhof der Arbeiter besucht werden.