Filme

Ägyptens Filmlandschaft ist bunt, weitgefächert, oftmals inhaltlich provokativ und ausgesprochen sehenswert – aber eben auch klein und weit entfernt vom Radar Hollywoods, sodass nur selten der Sprung auf die internationale Kinoleinwand geschafft wird. Wer sich für die Mentalität, die Kultur und die Geschichte Ägyptens interessiert, der sollte einen Blick auf die dortige Filmszene jedenfalls nicht scheuen, denn so manche filmische Perle wartet noch auf ihre Entdeckung. Seit der Revolution im Jahr 2011 und dem damit verbundenen Wegfall der Zensur wurde die ägyptische Filmindustrie von einem neuen Elan erfasst, der hoffnungsvoll in die Zukunft schauen lässt. Kairo, die Millionenmetropole am Nil, spielt dabei die zentralste Rolle im ägyptischen Kino, und ist zugleich größter Standort für Filmproduktionen in der gesamten arabischsprachigen Welt.

Ein Film über soziale Konflikte, Liebe und die Rolle der Frau in der ägyptischen Gesellschaft ist der 2010 erschienene "Cairo Exit". Man verfolgt die Geschichte einer jungen Christin, die sich vor die Entscheidung zwischen Liebe und Rationalität gestellt sieht, mit Armut und den Fallstricken der Gesellschaft zu kämpfen hat und schließlich alleine einen Weg aus ihrer Misere finden muss. Emotionale Bilder, begleitet von einem Einblick in die Alltagswelt der ägyptischen Hauptstadt, machen "Cairo Exit" zu einem Filmerlebnis mit Nachdruck.

Die bislang größte Aufmerksamkeit in der ägyptischen, teils aber auch in der internationalen Presse erlangte der 2006 erschienene Film "Das Haus Yacoubian". Die Brennpunkte der Gesellschaft – Religion, Politik und Sexualität – werden hier mit provokanten Bildern und als durchgehend korrumpiert dargestellt, sodass sich weite Teile der ägyptischen Bevölkerung bei seiner Veröffentlichung gegen den Film stellten und ihn als unmoralisch kritisierten. Seine Verteidiger bewerten den Film hingegen als authentisches Spiegelbild der gesellschaftlichen Probleme Kairos – höchst sehenswert ist er in jedem Falle.

Etwas leichtere Kost ist der Film "Cairo Time" aus dem Jahr 2009. Nicht ganz so kitschig wie moderne Romanzen, kann er dennoch in die Kategorie des Date Movie eingeordnet werden. Eine Diplomatengattin findet sich gestrandet in Kairo, nachdem die Geschäfte ihres Mannes im Gazastreifen länger dauern, als erwartet. Kurzerhand entschließt sie sich, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden, erfährt dabei aber Unterstützung durch einen alten Freund ihres Ehemanns. Es kommt, wie es kommen muss: die beiden verlieben sich ineinander, und müssen vor dem atmosphärischen Hintergrund von Pyramiden und Millionenmetropole einen Ausweg aus der Misere finden, der es schafft, die lebensbejahende Stimmung des Filmes nicht zu verletzen. Mit Starbesetzung und stimmungshaften Bildern ist dieser Film eine Empfehlung an alle, die sich in eine modernisierte Romeo-und-Julia-Welt entführen lassen wollen.

Historisch geht es schließlich im Film "Agora: Säulen des Himmels" aus dem Jahr 2009 zu. Man befindet sich in der Zeit des Römischen Ägypten, in der eine begabte und allein schon durch ihr Wissen provokative Frau namens Hypatia die Gelehrten, Politiker und Konservativen der Stadt Alexandria mit ihren die Weltsicht verändernden Thesen auf den Plan ruft. Selbst eine Heidin, gerät sie schließlich in die Mühlen der Religionspolitik der damaligen Zeit. Ein Drama, das mit stimmungsgewaltigen Szenen, hervorragenden schauspielerischen Leistungen und einem exzellenten Soundtrack aufwartet und klassische Geschichte mit Action und Spannung zu verbinden weiß.

Unbedingt zu nennen, wenn man vom ägyptischen Film redet, ist schließlich auch die Schauspielerikone des Landes: Omar Sharif. Der Ägypter hat im Laufe seines Lebens den Hauptrollen vieler internationaler Klassiker – darunter "Doktor Schiwago", "Lawrence von Arabien" und "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" – sein Gesicht geliehen, und ist bis heute einer der bekanntesten Filmexporte der arabischsprachigen Welt.